NICOLAS EYER

Motive

Dieses Glossar bietet einen Überblick über einige wichtige Motive aus meinen Texten. Es kann eine Hilfestellung beim Lesen sein, erhebt gleichzeitig aber keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit.

Nicolas Eyer, Brig, Sommer 2020.

 

Berg

Der Berg symbolisiert die Lebens→reise. Der Aufstieg zum Gipfel ist hart, doch von dort aus geht der Blick in alle Richtungen. Von unten betrachtet wirkt der Berg manchmal furchteinflössend und beengend, viel öfter aber beschützend. In Form eines Gebirges werden Berge zum trennenden Element, während der →Pass eine Verbindung schafft.

 

Flug

Der Flug als Fortbewegungsart des →Vogels bedeutet Freiheit, Ungebundenheit. Oft kommt er in Verbindung mit dem →Traum vor, kann prophetisch sein oder auch ekstatisch.

 

Gebirge

Siehe →Berg.

 

Haus

Es ist der eigentliche Entfaltungsraum des Ich und bietet diesem Geborgenheit. In ihm ist alles wohlgeordnet. Das Haus eines anderen Menschen zu betreten heisst, Einblick in seine Seele zu erhalten.

 

Heimat

Sie ist der Ort, an dem man sich behütet fühlt, ist Ausgangspunkt für neue Erfahrungen. Manchmal engt sie aber auch zu sehr ein. Darum ist das →Reisen so wichtig. Es hilft, Abstand zu gewinnen und sich über sich selbst klar zu werden. Doch das Wissen um die eigene Herkunft ist gerade in der Fremde essenziell, denn ohne es wird das Denken und Fühlen schnell richtungslos und desorientiert.

 

Insel

Die Insel befindet sich inmitten der Weite des →Meeres und steht für Ungebundenheit, Freiheit, aber auch für Einsamkeit und einen Schwebezustand. Wer allein auf ihr lebt, ist im Ungewissen über den einzuschlagenden Weg.

 

Kappa

Das Kappa ist ein japanisches Sagenwesen, halb Schildkröte, halb Affe. Es lebt im Wasser und überfällt gerne unvorsichtige Wanderer von hinten, um sie unter Wasser zu ziehen. Das Kappa steht für das Unbewusste, Triebhafte, für uneingestandene Leidenschaften, die einen hinterrücks überrumpeln können.

 

Kristall

Er ist ein wertvoller, verborgener Schatz, der sich nur dem zeigt, der aktiv nach ihm sucht. Er steht für Erkenntnis.

 

Meer

Das Meer mit seinem tiefen Blau ist Sinnbild der Sehnsucht. Am Meer weitet sich der Geist, der Atem wird frei. Es kann trennen, noch mehr aber verbindet es. Hier wird alles möglich, der Weg in alle Richtungen ist frei.

 

Musik

Die Musik öffnet neue Sphären. Sie hilft dem Menschen, dem Alltag zu entfliehen, ist Heilmittel für die Seele und vertreibt alles Belastende und Bedrohliche. Sie vermag Sehnsüchte zu stillen. Mit Musik kann ausgedrückt werden, wofür die Worte fehlen. Insofern zeigt sie auch die Beschränkungen der Sprache auf, mit der ich als Schreibender tagtäglich arbeite. Wenn ich schreibe, läuft im Hintergrund fast immer Musik.

 

Nacht

Nachts wird alles möglich. Im nächtlichen →Traum eröffnen sich neue Perspektiven. Die Nacht steht für Geborgenheit, ebenso oft aber auch für Einsamkeit. Sie ist der prophetische Hallraum, in dem Veränderung möglich wird.

 

Pass

Der Pass als Übergang im →Gebirge bezeichnet den Punkt, an dem die Wiederkehr unmöglich wird. Einen Pass überquert man bewusst, so, wie man auch Lebensentscheidungen willentlich treffen sollte. Er steht für den Beginn eines neuen Abschnitts, erlaubt gleichzeitig mit dem Blick nach vorne aber auch den zurück. Somit ist er ein verbindendes Element inmitten der unzugänglichen Bergwelt.

 

Regen

Der Regen reinigt nicht nur die Luft, sondern klärt auch die Gedanken. Besonders in Verbindung mit dem →Wind kündigt er eine Veränderung an.

 

Reisen

Das Reisen stillt alte Sehnsüchte und nährt zugleich neue. Immer beinhaltet es eine Transformation. Es ist keine Tätigkeit, sondern ein Zustand – und als solcher mindestens ebenso sehr geistiger wie physischer Natur.

 

Stadt

Die Stadt ist der selbst geschaffene Lebensraum des Menschen. Sie bildet ein Netz fester Bezugspunkte. Somit steht sie auch für das System gesellschaftlicher Normen, dem wir uns unterordnen müssen. Im besten Fall bietet sie Schutz und ermöglicht dadurch eine geordnete Entwicklung des Individuums. Doch sie kann auch bedrückend und sogar bedrohlich sein, vor allem dann, wenn sie sich schneller entwickelt, als es dem Menschen lieb ist – letzteres besonders in Verbindung mit dem Fortschritt auf dem Gebiet der →Technologie.

 

Technologie

Die Technologie ist eine Krücke, die dem Mängelwesen Mensch das Leben erheblich erleichtert und ihm beispielsweise das →Reisen und den →Flug ermöglicht. Sie ist eine nie versiegende Quelle der Faszination, weckt den Spieltrieb und das Kindliche im Erwachsenen. Doch sie ist auch unberechenbar und manchmal sogar bedrohlich, besonders dort, wo der Mensch sie sich selbst ähnlich zu machen versucht und so nach und nach die Kontrolle abgibt.

 

Teich

Der Teich, insbesondere im →Wald, ist geheimnisvoll und unergründlich. Zwar ermöglicht seine spiegelnde Wasserfläche einen Blick auf das eigene Ich, doch sie verbirgt auch Unbewusstes, Verdrängtes, Bedrohliches. In ihm lebt auch das →Kappa.

 

Traum

Der Traum erlaubt nicht nur einen tieferen Einblick in die Psyche eines Menschen, in seine Hoffnungen und Ängste, sondern er kann auch Vorzeichen sein. In ihm ist dem Menschen der →Flug möglich.

 

Uhr

Sie steht für die Zeit, die abläuft. Ihr Schlagen gemahnt an die Vergänglichkeit. Sie symbolisiert damit den Fluss des Lebens. Die Uhr ist etwas, zu dem man Sorge tragen muss – wie zu der Zeit, die sie anzeigt.

 

Vogel

Der Vogel bedeutet Freiheit. Er sieht das grosse Ganze und überwindet Raum und Zeit im →Flug. Seine Wahrnehmung ist offen. Der Vogel steht für das Beseelte in der Natur, er ist →Wald- und Schutzgeist. Immer vermittelt er zwischen den Welten.

Als Singvogel steht er für Schönheit und Freiheit, als Eule für Weisheit und Prophetie. Der Spatz als Clown der Lüfte symbolisiert Unbekümmertheit und das Spielerische, Kindliche. Seevögel wiederum bedeuten Ungebundenheit, stehen aber im negativen Sinn auch für Einsamkeit und Unbehaustsein. Der Papagei schliesslich ist Sinnbild für das Exotische, für das Ausbrechen aus dem Korsett der Normen; doch sein Lebensraum ist dem Menschen auch fremd und gefährlich.

 

Vulkan

Der unberechenbare Feuer→berg symbolisiert Leidenschaft, Impulsivität, aber auch Gefahr. Seine Flanken heben und senken sich, als ob er ein riesiges Lebewesen wäre. An seinen Hängen kann sich Unerwartetes ereignen. Doch er bringt auch Fruchtbarkeit: Der Vulkan zerstört und erschafft zugleich Neues.

 

Wald

Der Wald steht für Geborgenheit, oft auch für das im positiven Sinn Geheimnisvolle, Unergründliche. Er ist beseelt, bevölkert von vielen Lebewesen und Geistern. Der Wald steht dem Menschen nicht als Objekt gegenüber, sondern umfängt ihn. Als Regenwald hat er hingegen etwas Bedrohliches und steht wie das →Kappa für das Triebhafte.

 

Wind

Der Wind bringt immer Veränderung. Meist hat er etwas Bedrohliches. Stets scheint er aus einer anderen Welt zu wehen, er verbindet die menschliche Sphäre mit dem Transzendenten, wie der →Vogel, der mit ihm fliegt.